Sonntag, 29. Januar 2012

Poutine, eine Spezialität aus Quebec - fast ein Nationalgericht in Französisch-Kanada

Poutine - Pommes Frites mit Käse und Soße
Während unserer Septemberreise durch Quebec wollte ich unbedingt einmal Poutine probieren. Gehört hatte ich schon viel von diesem Gericht, aber probiert hatte ich es bis dahin noch nie: die einen beschreiben es ganz ungalant als Kartoffel-Pampe mit Soße, die anderen reagieren fast beleidigt, weil sie außerhalb von Quebec Poutine nicht in allen Restaurants serviert bekommen. Das Gericht hat im französischsprachigen Teil Kanadas Kultcharakter und ist fast so etwas wie ein Nationalgericht der Quebecer.

Poutine - das heimliche Nationalgericht Quebecs

Nun, Nationalgericht ist vielleicht etwas übertrieben, wurde Poutine nach der gängigsten Version doch erst im Jahr 1957 erfunden - und zwar eher im Vorübergehen. So hat der Wirt Ferdinand LaChance aus Warwick einem Kunden einen Gefallen getan, der eine Portion Pommes Frites mit Käse zum Mitnehmen bestellt hatte. LaChance war nicht sehr begeistert vom Wunsch seines Kunden, denn er meinte dazu: "ca va faire une maudite poutine" ("das wird eine echte Schweinerei"). Und auch der Käufer dieser ersten Portion Poutine kam eher durch Zufall auf diese Mixtur aus frittierten Kartoffel-Sticks mit Käse: Eddy Lanaisse soll er geheißen haben, und dieser berichtete später einem kanadischen Fernsehreporter davon, dass er die frischen Pommes Frites in der Vitrine des Fast-Food-Restaurants gesehen hatte neben denen frischer Käse lag. Er hatte Appetit auf beides und ließ sie sich einfach zusammen mischen.

Die Soße kam erst später dazu. Angeblich kam der Wirt Jean-Paul Roy aus Drummondville in Quebec 1964 auf die glorreiche Idee, zu seinen Pommes Frites eine üppige Portion Soße zu servieren. Als er beobachtete, dass seine Gäste noch frischen Käse darauf streuten, fügte er diesen einfach kurzum zu seinen Fritten hinzu - et voila: die erste echte Poutine waren entstanden.

Die Qual der Wahl - Poutine in allen Geschmacksrichtungen

Aber wehe, wer nun ein einfaches und deftiges Gericht erwartet, das auf der Speisekarte ein einsames Dasein fristet. Als wir uns auf die Suche nach Poutine begaben, machten wir eine erstaunliche Entdeckung: Poutine ist nicht gleich Poutine. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Versionen davon: wir entdeckten neben der traditionellen Poutine, die aus Fritten, tagesfrischem Käse und einer dunklen Soße auf Hühner- oder Kalbsbasis besteht, noch eine Vielzahl anderer Poutinevariationen. Da gibt es Poutine mit Sauce Bolognaise, Poutine auf italienische Art mit Sauce marinara, Poutine BBQ mit Grillsauce und - besonders abenteuerlich - Poutine Mole, die in der eigentlich in Mexiko heimischen Mole Poblano, einer scharfen Soße mit viel Schokolade, richtiggehend ertränkt wird.

Ganz so abenteuerlich sollten meine ersten Erfahrungen mit Poutine nun doch nicht sein. Schließlich war ich auf der Suche nach dem "Quebecer Nationalgericht", und so entschied ich mich für Poutine mit Fleischbeigabe. Mein erster Eindruck war überraschend: denn der Käse in der Poutine quietscht! Wie ich später erfuhr, muss das so sein, sonst ist es keine echte Poutine. Es muss Käse sein, der möglichst am Tag der Zubereitung fertiggestellt wird, denn nur dann enthält er noch genügend Feuchtigkeit, um beim Kauen ein quietschendes Geräusch zu erzeugen. Nun, und der Rest? Ich glaube nicht, dass Poutine zu einem meiner Lieblingsgerichte in Kanada wird. Poutine ist für Nicht-Quebecer wie mich sicher gewöhnungsbedürftig. Fritten mit quietschendem Käse in Soße ertränkt ist genauso wie es sich anhört - eine pampige Masse. Um das zu mögen, muss man wahrscheinlich damit aufgewachsen sein. Aber ich bin trotzdem froh, es einmal probiert zu haben, denn nun kann ich beim nächsten Mal aus erfahrenem Munde mitreden, wenn über Poutine gesprochen, gelästert oder gelobt wird. Und genau darauf kommt es doch an! Oder wie sehen Sie die Sache?

Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Bonjour Quebec

Text Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Foto Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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